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Phasen der Ehe - die Ehe als Prozess
zu den Elementen aus der Kursarbeit
Es ist wichtig zu wissen, dass Partnerschaft und Ehe nicht einfach hin mit der Heirat, Eheschließung fertig / vollendet ist, sondern vielmehr in "Phasen" verläuft, dass bei der Ehe von einem Prozess gesprochen werden kann - diese "Phasen" lassen sich unterscheiden / beschreiben und Chancen und Krisen benennen ... - Es ist sinnvoll, sich selbst der eigenen Ehe-Phase zu vergegenwärtigen und sich mit den Chancen und Krisen auseinanderzusetzen. - Siehe auch: Hintergründe zum Kursangebot
Der hier vorgestellte - sehr umfangreiche -Text wird in der konkreten Kurs-Arbeit kaum eingesetzt, steht aber in vielen Gesprächen und Anregungen im Hintergrund!
- Phase der "Paarbildung
- Paar-Findungs-Phase - Heirat / Junge Ehe ohen Kinder
- Familiengründungs-Phase - die junge Familien-Phase - Geburt des ersten Kindes / weiterer Kinder
- Plateau-Phase - Ehe / Familie in mittleren Jahren
- Ablösungs-Phase - Ehe, wenn man älter wird, wenn die Kinder das Haus verlassen
- Alters-Phase - wieder allen - zu zweit / einer bleibt allein
1. Phase der "Paarbildung"
Nach Erik Erikson geht es dem Jugendlichen in einer vieljährigen Phase des Probierens darum, sich die persönlichen und sexuellen Fähigkeiten für ein enges und stabiles Zusammenleben mit einer Person des anderen Geschlechts zu erwerben. Der Übergang von der Geborgenheit bei den Eltern, deren Kind man ist und bleibt, obwohl man eben nicht Kind bleiben kann und will, zum selbständigen Leben, der Eintritt in das Erwachsenenalter, in die Rollen der Ehefrau / des Ehemannes, kann Angst machen. Sie besteht im tiefsten vielleicht in der Ungewissheit: Werde ich mich und mein Leben finden können? Wird es gelingen, meine Identität und Autonomie zu gewinnen und zu behalten? Werde ich ich selber bleiben können, wo doch die Intimität mit dem Partner eine Vertrautheit fordert und anbietet, die es früher einmal nur mit der Mutter gegeben hat? Ist ein solcher intimer Austausch mit einem Partner nicht die Versuchung, meine Eigenständigkeit aufzugeben? Daneben erlebt der junge Mensch zugleich das Gefühl der Angst vor dem Selbstverlust wie auch die Sehnsucht danach, von einem Partner bis ins Innerste erkannt und bestätigt zu werden und selber zu erkennen und zu bestätigen.
Chancen
- gedrängt werden zum Du
- eigene Kräfte, eigenes Potential zum anderen Geschlecht hin entdecken
- Erwartungen der Umwelt spüren
- jemanden lieben können außer sich selbst
- sich selbst durch den anderen besser kennenlernen: Wer bin ich für mich / für dich
- entscheidungsfähig werden; Beginn eines Verantwortungsbewusstseins
- Fähigkeiten und Grenzen hinsichtlich der Welt, der Umgebung entdecken
- Transzendenz / Selbsttranszendenz auf anderes hin
- Experimente
- Offenheit für verschiedene Lebensentwürfe
- Emanzipation von Gruppen (-prozessen)
- Ablösung vom Elternhaus
- Toleranz und Kompromissbereitschaft
- Kreativität
Krisen
- Partnerwahl vollzieht sich aus eigener Abhängigkeit heraus, z.B. von Eltern (Flucht aus dem Elternhaus), von eigenen Bedürfnissen, Trieben, von Umwelterwartungen - von einer Abhängigkeit in die andere
- sich nicht entscheiden können
- in sich selbst verliebt bleiben, den Partner missbrauchen als Spiegel, der mir zeigt, wie "toll" ich bin
- zu wenig Zeit für sich selbst
- Leistungsdruck
- Rollen- und Geschlechterdiffusion
- Überforderung
- Selbstverwirklichungsideologie
- Bindungsangst
2. Heirat - Junge Ehe ohne Kinder - "Paarfindungs-Phase" Diese Phase umfasst die ersten Ehejahre und ist meist die aktivste Phase in der Ehe. Das Paar sucht nach der Heirat seine Identität als Paar zu festigen. Es muss sich seinen Platz in der Gesellschaft schaffen und all die vielen Entscheidungen treffen, die ihm schließlich eine fest umrissene Gestalt verleihen. Es richtet sich ein eigenes Heim ein, dessen Ausstattung den Lebensstil des Paares ausdrückt und rückwirkend prägt. Das Paar ist als Kleingruppe jetzt nach außen klar formiert, gegen innen sind die Rangpositionen und Rollen aber noch nicht fixiert. Dieses kann dann zu ersten Konflikten führen.
Zwei Individuen mit je eigener Individualität verbinden sich zu einem Paar; Absprachen müssen getroffen werden, verschiedene Dinge müssen geregelt und ausgehandelt werden.
Chancen
- Erfahrung von Annahme und Geborgenheit, von Heimat und Wärme
- das gemeinsame Leben aufbauen, Abgrenzungen von Elternhäusern schaffen
- "wir sind wer!" - wir sind ein Paar, der Ehename hat seine Bedeutung; Zuwachs an Sicherheit mit sich selbst
- Du bist anders als ich - Chance, um sich neu zu orientieren, um seine Persönlichkeit weiter zu entwickeln durch die Andersartigkeit, die Korrektur des Partners; bisher nicht stattgefundene Entwicklungen nachzuholen
- Horizonterweiterung durch neuen Weltbezug
- Gemeinsamkeit
- Offenheit im Gespräch miteinander und in der gemeinsamen Entwicklung - durch diese Offenheit können Konflikte bewältigt werden (Krisen können zu Chancen werden; bewältigte Krisen festigt die Verbundenheit)
Krisen
- Regelung der Arbeiten, die anfallen: Wer macht was? - Rollen-Konflikte
- Du bist anders als ich - ich habe damit Schwierigkeiten
- Deine Erwartungen überfordern mich
- erste Konflikte überfordern uns: * wir reden nicht richtig; * wir harmonisieren zu viel (kehren unter den Teppich)
- totale Verschmelzung, nicht mehr offen für das, was außerhalb passiert
- meine Freunde, deine Freunde, unsere Freunde? Wie regeln wir unsere Kontakte?
- Herkunftsfamilie; Eltern und Geschwister
- Überforderung durch Gemeinschaft, Nähe
- wir erleben nicht gemeinsam, sind nicht immer "wir"
Bevor es die heutigen Möglichkeiten der Empfängnisregelung gab, war es häufig so, dass nach einem Jahr das erste Kind geboren wurde und damit die Phase der jungen Ehe ohne Kinder zu Ende war. Viele Paare heute erweitern diese Phase oft bis zu drei oder fünf Jahren. Wie beurteilen Sie das? Ist eine längere Phase zu zweit vielleicht günstiger für die spätere Stabilität der Ehe?
3. die junge Familien-Phase - Geburt des 1. Kindes / weiterer Kinder - "Familiengründungs-Phase" Hatte sich in der vorhergehenden Phase langsam eine Partnerschaft mit ausgewogener Arbeitsteilung eingespielt, so gehen jetzt die Rollen auseinander: Hier die Mutter und Hausfrau mit Unterbrechung oder Abbruch der beruflichen Laufbahn, mit Isolierung durch Verlust der Kontakte am Arbeitsplatz, die dünnere Partizipation an gesellschaftlichen Vorgängen und relevanten Informationen; dort (beim Ehemann) Ausbau der beruflichen und sozialen Position, Druck und Hetze der Arbeit, Beanspruchung durch die Öffentlichkeit. Beide Partner müssen zurückstecken, ihr Leben baut sich um. Aus dem Paar ist eine Beziehung zu dritt (und mehr) geworden, aus dem Miteinander ein Dasein füreinander und für ein drittes.
Durch die Zeugung und Geburt des ersten Kindes wird die Paarfindungsphase radikal abgebrochen; das Paar wird durch das Kind aufgebrochen, das Kind beansprucht Raum zwischen dem Paar, das Paar muss Verantwortung für das Kind übernehmen.
Chancen
- Rollenzuwachs - Eltern werden - größeres Spektrum, sich zu erfahren
- Freude am Kind, am Umgang des Partners mit dem Kind
- die Erfahrung, von sich etwas weitergeben zu können
- die nächste Generation aufbauen helfen
- neue Kräfte, Energien spüren, mit zusätzlichen Belastungen (weniger Schlaf) fertig werden können
- Zusatz an Verantwortung, Steigerung des eigenen Wertbewusstseins
- veränderter Weltbezug
- Offenheit; erlebte Öffnung - das Paar wird durch das Kind geöffnet, das Kind schafft Raum zwischen dem Paar
- Aufarbeitung / Neudefinition des Rollenverständnisses von Partner und Partnerin, Vater und Mutter
- Kompromisse suchen
Krisen
- Umstieg von Zweier- auf Dreiergruppe; Aufmerksamkeit füreinander muss auch für ein drittes reichen; Eifersucht auf das Kind; symbiotische Einheit von Mutter und Kind, bei der der Vater fehlt; das Paar wird durch das Kind auseinandergerissen, es entsteht Distanz
- Rollenwechsel; Verantwortung, an der man scheitert
- die biologische Elternrolle ist gegeben; wirkliche Übernahme der sozialen Elternrolle? - sich ausgesogen fühlen, keinen Zuwachs an Erfahrungen erleben, keine Bereicherung erleben
- an den Aufgaben scheitern
- das Ehepaar bleibt ungewollt kinderlos
- Einschränkung des Selbst, des Paares durch ein drittes
- erhöhte Belastung durch Weltbezug - Verlust an Weltbezug
4. Ehe / Familie in mittleren Jahren - "Plateau-Phase"
In den mittleren Jahren ändert sich die Situation grundlegend. Die berufliche Karriere des Mannes ist zumeist so weit festgelegt, dass deren zukünftiger Verlauf in relativ geringer Schwankungsbreite voraussehbar geworden ist. Damit ist auch der soziale Status der Familie bestimmt und der finanzielle Rahmen, in dem die Familie lebt, gesteckt. Vieles ist angeschafft, geplant, gebaut; es besteht kaum noch ein äußeres Ziel von großer Relevanz, worauf das Paar hinlebt und wodurch es zusammengehalten und strukturiert wird. Die Kinder sind in einem Alter, in dem die dauernde Anwesenheit der Elternteile oder eines Elternteils nicht mehr so erforderlich ist. Sie lösen sich mehr und mehr aus dem Elternhaus, verbringen mehr und mehr Zeit in ihren Freundesgruppen. In dieser Phase verändert sich in der Regel für die Frau, die bisher doch mehr im Haushalt und in der Erziehung der Kinder tätig war, mehr und Grundlegenderes als für den Mann.
Chancen
- neue Aufgaben, Betätigungen finden
- mehr Zeit für sich haben, mehr Zeit für die Zweierbeziehung haben
- sich als Partner der Kinder erfahren können
- Dinge langsam abgeben können an die nächste Generation
- mehr und mehr Lebenserfahrung haben
- Dinge angehen können, "die man immer schon machen wollte"
- Phantasie entwickeln für Dinge, wie ich den Partner erfreuen kann, evtl. neue Möglichkeiten der Zärtlichkeit entdecken
- neue Offenheit zu sich selbst und zu anderen ist möglich
- Beziehung zu den Kindern neu abklären
- eigene Interessen neu entdecken: allein, zu zweit, gemeinsam verwirklichen
Krisen
- Wechseljahre - midlife-crisis
- Leere: wer bin ich?
- Grenzen spüren, nicht alles erreicht zu haben, manches evtl. nicht mehr erreichen zu können
- Ehebeziehung ist fade geworden, stagniert, es läuft nicht mehr, man erwartet nichts mehr voneinander
- Verlust an Aufgaben
- die Kinder sind selbständiger, grenzen sich mehr ab
- Was habe ich denn schon erreicht? In Frage stellen des Bisherigen
- "Fertig-sein"; es kommt nichts neues
- Generationskonflikte
- Infragestellung von Werten und Normen
5. Ehe, wenn man älter wird, wenn die Kinder das Haus verlassen haben - "Ablösungs-Phase" Diese Phase lässt sich vielleicht dadurch charakterisieren, dass sich für den Mann, der zumeist noch nicht pensioniert ist, noch einige Jahre Tätigkeit vor sich hat, noch wenig verändert. Für die Frau, die es heute schwerer hat, im Beruf wieder Fuß zu fassen, wenn sie es bis dahin nicht geschafft hat, oft eine große Leere auftritt, die mühsam zunächst gefüllt werden muss. Es ist zu vermuten, dass hier für die Frau eine größere Umorientierung notwendig ist, dass sie mehr Mühe darauf verwenden muss, wieder einen neuen Sinn in ihrem Leben zu finden. Verlassen die Kinder das Haus, so kann man von einer Verwandlung von einer "Voll-Familie" zu einer "Gatten-Familie" sprechen, da dann die Familie nur noch aus den beiden Ehegatten besteht.
Chancen
- mit der Weisheit und Gelassenheit die Dinge sehen
- Zeit für Muse, evtl. kein Erwerbskampf mehr
- Zeit für mehr gemeinsame Unternehmungen
- mehr Besinnung auf den Partner, evtl. die Erfahrung, dass man mehr aneinander hängt, sich gegenseitig mehr Stütze ist
- Offenheit; neuer Weltbezug; Freunde
- neue Eigenheiten entdecken und entwickeln
- neue Nähe ist möglich - zum Partner und zu den Kindern (Erwachsene)
- Umorientierung und neue Strukturierung des Alltags und der Rollen
- Entwicklungen der Kinder als Bereicherung für die Eltern erfahren
Krisen
- evtl. die bevorstehende oder vollzogene Pensionierung des Mannes oder auch der Frau, in die Situation zu kommen, dass die berufliche Aufgabe, von daher auch eine bestimmte Sinngebung, wegfällt
- evtl. Zunahme von Krankheiten, Gebrechen
- Enttäuschung, "dass das alles gewesen ist", evtl. mehr Streit auch mit dem Ehepartner, wenn man jetzt den ganzen Tag zusammen ist; eigene Unausgefülltheit belastet die Beziehung
- Sinnfrage
- Angst um die Zukunft der Kinder
- Stellen die Kinder durch ihr Erwachsenenleben das Weltbild, die Werte und Normen der Eltern in Frage? Generationskonflikt
- schwindende Einflussmöglichkeiten der Eltern auf das Leben der Kinder
- Belastung durch die Leere des Hauses, des Lebens
- Distanz zum Partner
6. wieder allein - zu zweit / einer bleibt allein - "Alters-Phase"
Ca. 50% der Frauen und 20% der Männer sind im Alter verwitwet. Die Pensionierung holt den Mann in den gemeinsamen Haushalt, ins Reich der Frau zurück. Manche Soziologen sprechen vom Altersmatriarchat. Mit dem Rückzug aus dem sozialen Leben verändert sich die soziale Umwelt. Das Paar ist wieder stärker auf sich verwiesen: Die Chance des Gesprächs, Möglichkeit des Kampfes, Abhängigkeit voneinander, Spannungen, Angst vor dem Tod.
Chancen
Krisen
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